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 Betreff des Beitrags: Rezension: Die Tage des Raben - Dagmar Trodler
BeitragVerfasst: 03.05.2010 13:44 
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Die Tage des Raben - Dagmar Trodler
Blanvalet Verlag, 531 Seiten Text,
ISBN-13: 978-3-442-36601-9, € 8,95

Rezensent: Claus Beese

Wikinger-Bücher müssen hart sein, in der Sprache, in der Handlung. Humor kommt nicht vor, dafür hatten die alten Haudegen keine Zeit. Sie hatten mit dem Überleben genug zu tun, und fanden das Leben wohl kaum amüsant. - So jedenfalls war mein bisheriger Eindruck von den meisten Büchern über die nordischen Seefahrer.

Dagmar Trodler beschreibt in ihrem Buch eine nicht weniger düstere Geschichte von einem schwedischen Thronfolger, der aus seinem Land verbannt wurde. Samt Frau und Kindern zieht er durch die Lande und versucht, Anschluss an sein bisheriges Leben zu finden. Erik flieht nach England an den Hof Wilhelm des Eroberers, dem neuen König Englands. In seinen Diensten hatte Erik bereits einmal gestanden, und wurde sogar von ihm zum Ritter geschlagen. Doch das zweite Zusammentreffen, von dem Erik sich so viel versprochen hatte, nämlich ein Heim, Ruhe und Frieden für seine Familie, verläuft anders. Erik kann sich mit der Politik des grausamen Normannen nicht anfreunden und so wendet er sich von dem König ab. Das kommt einem Verrat gleich, und Erik muss die Schergen des Königs fürchten, die ihn durch ganz England jagen.
Dagmar Trodler nimmt diese Handlung zum Anlass, die Grausamkeit der damaligen Zeit und ihrer Herrscher aus der Sicht einer Frau und Mutter zu schildern. Das Leben ihrer "Heldin", der Eifelgräfin Alienor von Sassenberg, verläuft chaotisch, voller Kämpfe und Ängste um ihr eigenes Leben, das ihres Mannes und der Kinder. Elend und Not schildert sie aus der Sicht einer Frau, die damals weniger wert war, als ein gutes Schwert. Was das "niedere Volk" zu erdulden hatte, wird anschaulich erzählt, und das bisher von Wikingern bekannte, heroische Bild, bekommt plötzlich einige Risse.

Trodler macht gefühlvoll klar, dass die damalige Zeit in erster Linie mörderisch war, und keine Rücksichten gegen jedermann kannte. Überleben war Glückssache, und Freunde entpuppten sich als Verräter. Helden werden zu Opfern, sind nahezu chancenlos. Wenn es nicht auch dort glücklicherweise jemanden gäbe, der seinen Einfluss geltend machen, seine Hand schützend über andere Menschen halten könnte, so wäre mancher Recke verloren. Es wird deutlich, dass nicht immer die Tatkraft des Einzelnen ausreicht, Leben zu erhalten. Manchmal braucht es mehr.

Störend wirken sich leider die Einwürfe in nordischer und lateinischer Sprache aus, die dem Leser in erster Linie Verdruss und Verwirrung bringen, anstatt die hohe Bildung oder auch nur Recherchekunst der Autorin erstrahlen zu lassen. So ist das mehrseitige, angefügte Glossar, das der Leser aber erst nach dem Studium des Buches findet, wohl hilfreich, aber geschickt eingefügte Erklärungen und Übersetzungen gleich im Text, wären sicher besser gewesen.

Alles in allem ein Buch, dass man denen empfehlen kann, die dem Heldentum der Wikinger nicht leichtgläubig hinterherlaufen, sondern ihnen auch gewisse Zweifel und Vorbehalte entgegenbringen. Kampfszenen sind spannend und glaubwürdig beschrieben, die Schilderung der zeitgenössischen Umstände gut recherchiert.
Lesenswert.

_________________
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Petrusautor Claus
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