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 Betreff des Beitrags: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 06.09.2009 23:11 
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Registriert: 06.09.2009 19:58
Beiträge: 4
Hallo, vor einigen Jahren (1998) habe ich zusammen mit einem Freund im Urlaub eine kurze Geschichte geschrieben. Diese habe ich vor kurzem wiederentdeckt und beschlossen, eine Neufassung davon zu machen.

Hier nun die ersten Versuche...

Ich habe noch keinen richtigen Stil gefunden und das Schreiben ansich ist mir noch neu, aber ich freue mich über Eure Kommentare und Kritiken!



Prolog


Der Regen prasselte schon seit Tagen auf die Dächer der schäbigen Hütten. Nach einem heißen, trockenen Sommer weichte er nun die Wege und Straßen auf.
Névers lag einige Meilen nördlich von Brest an der Westküste Frankreichs. Es war eines jener Dörfer, die fast ausschließlich vom Fischhandel lebten. Auf den ersten Blick schien Névers ganz normal und bescheiden zu sein. Neben den Piers gab es einen Marktplatz, wo sich jeden Tag die Fischhändler versammelten und ihre Ware anpriesen. Die Leute kamen aus den nahen Siedlungen und sogar einige angesehene Kaufmänner aus Brest ließen sich hier regelmäßig blicken. Neben dem Geruch von frischem Fisch machte sich hier auch ein allgegenwärtiger Gestank von modrigen Abfällen und verfaulten Innereien breit.
Und doch war hier einiges anders. Die Hafenanlagen waren vor einigen Jahren ausgebaut worden und einige neue Lagerhallen wurden errichtet. Neben den Fischkuttern lagen hier nun immer öfter auch große Transportschiffe, die im Auftrag der Krone Soldaten und Lebensmittel nach England transportierten.
Schon kurz nachdem die Englischen Truppen in die Bretage einfielen und dort Tod und Schrecken verbreiteten, konnten sie überraschenderweise zurückgeschlagen werden. Der französische König hatte eine große Menge an Soldaten mobilisieren können und war der englischen Flotte auf ihrem Rückzug gleich gefolgt. Nun fand ein erbitterter Kampf im südlichen England statt. Einige Hansestädte waren jetzt in französischer Hand und es sollten noch einige mehr werden. Die Engländer hatten mit so einem Rückschlag nicht gerechnet und so gaben sie alles, ihr Land zu verteidigen. Bereits nach kurzer Zeit mussten die Franzosen auf das einfache Volk zurückgreifen und so wurden Bauern, Handwerker und Arbeiter mit einfachen Waffen ausgestattet und an die Front geschickt um für die Krone ihr Leben zu opfern.

1. Kapitel


Melwas fluchte. Schon das dritte Mal in diesem Herbst hatten die Ziegen in dem schon so oft notdürftig reparierten Zaun eine Lücke gefunden und hatten sich nun aus dem Staub gemacht. Er wusste, wahrscheinlich standen sie in der Nähe an der Straße und machten sich dort über das Gras her. Sollte er sie aber bis zum Beginn der Dunkelheit nicht zurückgetrieben haben, konnte es gefährlich werden, denn im nahe gelegenen Wald gab es viele Wölfe.
Melwas war einer der wenigen Bauern, die in Névers lebten. Sein Haus stand am Rande des Dorfes, ganz in der Nähe der gepflasterten Straße, die nach Brest führte. Ihm gehörte ein bescheidenes Stück Land direkt hinter dem Haus und außer den Ziegen tummelten sich dort noch einige Hühner in einem Verschlag und in einem Stall stand eine Kuh. Erst im letzten Jahr nach einer guten Ernte konnte er sie sich auf dem großen Viehmarkt in Brest kaufen. Ein großer Gemüsegarten bildete den Rest seines Grundstückes. Dort wurden Bohnen, Steckrüben und etwas Kohl angebaut. Obwohl einiges davon für den eigenen Gebrauch war, konnte Melwas doch jedes Jahr etwas davon auf dem Markt verkaufen.

Es war einer jener stürmischen Abende, an denen man das warme Haus nur ungern verlässt. Melwas und seine Frau Sophie saßen gemeinsam am Tisch in der Wohnstube. Das Zimmer wurde nur durch das flackernde Licht zweier Kerzen erleuchtet und der Ofen strahlte eine behagliche Wärme ab. Er stand so in der Mitte des Hauses, dass seine Rückseite in einem zweiten Raum für eine angenehme Temperatur sorgte.

Vor einem Jahr im Winter hatte Sophie einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Jetzt lag der kleine Cassus in einen Korb gebettet in der Schlafkammer und schlief selig, während Sophie ihrem Mann noch etwas Kohlsuppe gab.
Plötzlich hörten sie draußen neben dem Pfeifen des Windes die Stimmen von Männern und das Wiehern eines Pferdes. Es klopfte energisch an die Tür. Melwas stellte seine Schale auf den Tisch, stand auf und ging zur Tür. Er öffnete und erblickte zwei Männer, die wie Soldaten gekleidet waren und dunkle Umhänge trugen. Ein dritter stand ein paar Schritte abseits und hielt die scheuenden Pferde.
»Was kann ich für Euch tun?«, fragte Melwas und ließ sie herein.
»Wie ist dein Name?«, fragte einer mit dunklen Augen und einer langen Narbe am Hals.
»Ich bin Melwas, was wollt ihr hier?«
»Du kommst jetzt mit, es werden tüchtige Männer wie du einer bist an der Front gebraucht.«
»Aber…«, begann Melwas empört.
»Du packst dir jetzt ein paar Sachen ein und dann kommst du mit«, unterbrach ihn der andere. Er hatte blondes, struppiges Haar und sah aus, als hätte er schon eine Ewigkeit nicht mehr geschlafen.
»Deine Familie wird eine Entschädigung bekommen.« sagte der mit der Narbe. Er holte einen kleinen Beutel unter seinem Umhang hervor und warf ihn auf den Tische. Es klimperte darin.
»Na los, beeil dich!«
So schnell die Soldaten aufgetaucht waren, so schnell verschwanden sie auch wieder. Sophie saß alleine am Tische und starrte mit Tränen in den Augen auf den Beutel.

2. Kapitel


Das Feuer im Herd züngelte um die letzten verbliebenen Scheite und spendete der kleinen Hütte noch etwas Wärme zu dieser späten Stunde. Seine Mutter hatte noch etwas Suppe aufgewärmt und Cassus saß nun mit ihr am Tisch. Die täglichen Arbeiten waren erledigt worden und bald würden sie zu Bett gehen. Der Hof war nicht sehr groß, aber trotzdem gab es immer genug zu tun. Cassus hätte so gerne im Dorf eine Lehre als Steinmetz angefangen. Er träumte davon, in einer großen Stadt zu leben und dort die prächtigsten Gebäude zu bauen.
Er nahm einen Schluck Wasser und wischte sich den Mund ab.
»Cassus, du bist nun schon sechzehn Jahre alt«, sagte Sophie. »Du solltest diesen Hof verlassen und endlich mit einer Lehre beginnen.«
»Aber Mutter, wenn ich gehe, was geschieht dann mit dem Hof?«
»Mach dir da mal keine Gedanken, ich komme schon zurecht. Du weißt ja, als Vater …«, sie brach ab und fuhr sich durchs Haar. Cassus wusste, dass sie nicht gern darüber sprach.
»Ich habe dir nie erzählt, warum er damals verschwunden ist«, begann Sophie. »Es geschah vor dreizehn Jahren. Es war eine stürmische Nacht, genau wie heute.«
Sie schluckte und dann begann sie die Geschehnisse in jener Nacht zu schildern. Cassus überkam ein seltsames Gefühl. Plötzlich sehnte er sich danach, zu erfahren, ob Melwas noch lebte und falls ja, wo er jetzt sein könnte. Er hatte seinen Vater ja gar nicht gekannt und ihn aus diesem Grund auch nie richtig vermissen können.
Die kleine Familie hätte damals fast den Hof verloren. Nur ein kleiner, für schlechte Ernten zurückgelegter Notgroschen hatte eine Verpfändung verhindern können.
»Nun ja«, schloss Sophie ab, »ich konnte ja nicht mein Leben lang darauf warten, dass er zurückkommt.«
Cassus kratzte sich am Kopf.
»Aber wenn er noch lebt, dann kann ich ihn finden« meinte er nachdenklich.
»Nun ja, ich denke nicht dass er die Feldzüge damals überlebt hat, es sind so viele Männer gefallen« antwortete Sophie. »Aber falls du es wirklich versuchen willst, geh zu Kapitän Mador, er kann dir sicher sagen, wo die Soldaten hingebracht wurden.«
Draußen pfiff der Wind durch die Ritzen eines alten Schuppens.


Am nächsten Morgen hatte es aufgehört zu regnen, aber die bleigrauen Wolken hingen so tief über den Häusern, dass man meinen könnte, das Kreuz auf der Kapelle würde sie jederzeit aufreißen.
Cassus erreichte den Hafen und sah neben den Fischerbooten, die teils erbärmlich aussahen, auch ein großes Schiff mit der französischen Flagge. Dies musste das Schiff von Kapitän Mador sein. Mador diente schon seit vielen Jahren der Flagge und transportierte Soldaten und Lebensmittel nach England. Das Schiff war vor einem Tag eingelaufen und Cassus sah, wie die Seemänner Kisten aus der Lagerhalle holten und ins Schiff brachten. Er näherte sich dem Schiff. Plötzlich schlug ihm jemand herzlich auf die Schulter.
»Cassus?! Was machst du denn hier? Mensch, dich hab ich schon ewig nicht mehr gesehen, hm!« Das war Beltane, einer der vielen Söhne von Kapitän Mador. Er war zwei Jahre älter als Cassus und er fuhr schon seit einigen Jahren mit seinem Vater zur See.
»Weißt ja, ich hab zu Hause viel zu tun«, erwiderte Cassus. »Ward ihr wieder in England?«
»Ja, hm! Dort brauchen sie viele Soldaten zur Zeit. Die Überfahrt war grauenhaft bei dem Sturm, aber wir sollen so schnell wie möglich zurück segeln, hm!«
»Wie siehts denn aus?«
»Naja, in London sind wir noch nicht«
Beltane lachte. »Die Engländer sind verdammte Hunde. Ich glaub die meisten Verluste machen wir wegen den verfluchten Bogenschützen, hm!«
Von den englischen Langbögen hatte Cassus schon gehört, ein guter Schütze konnte damit über 1000 Fuß weit schießen.
»Sag mal«, fragte er, »Wo ist denn dein Vater? Ich muss mit ihm sprechen.«
»Mador bespricht sich gerade mit einem General, später hat er vielleicht Zeit für dich. Jetzt lass uns aber erstmal einen Trinken gehen, hm!«
Cassus willigte ein und sie gingen in die Hafenspielunke Zum alten Aal.
Eine gute Stunde später standen sie vor Kapitän Madors Kajüte und klopften an.
»Herein!« Die Stimme war so rau, wie die mit Muscheln und Algen besetzte Unterseite des Schiffes.
Cassus trat hinter Beltane in den kleinen Raum und sah sich um. Die Wände bestanden aus Regalbrettern, die von Papieren nur so überquollen. In der Mitte stand ein Tisch, auch dort stapelten sich Papiere und Karten. Irgendwo dazwischen ein Tintenfass und eine Feder. Auf einem breiten Stuhl saß Kapitän Mador. Er war klein aber sehr kräftig und hatte eine autoritäre Ausstrahlung, die man besser nicht anzweifelte. Mit scharfem Blick sah er Cassus an.
»Kann ich was für euch tun?« fragte er.
»Ich bin Cassus, ich bin auf der Suche nach meinem Vater. Er wurde vor dreizehn Jahren von Soldaten nach England gebracht. Könnt ihr mir helfen?«
Mador lachte ein raues Lachen.
»Vor dreizehn Jahren war das? Und er ist nicht zurückgekehrt?«
»Nein, wir haben nichts mehr von ihm gehört.«
»Ich werde dir mal etwas erzählen«, meinte der Kapitän.
»Die Franken haben einfach nicht genug Soldaten gegen die Engländer mobilisieren können. Deshalb begann man vor etwa fünfzehn Jahren damit einfache Männer aus der Bevölkerung aufzulesen und schickte sie mit Waffen an die Front. Die hatten einfach keine Chance. Wer nicht getötet wurde, den haben die Engländer gefangen genommen, gefoltert und schließlich doch umgebracht.«
»Und gibt es denn gar keine Möglichkeit, dass er überlebt haben könnte?«
Cassus war verzweifelt.
»Es ist dir wirklich wichtig, nicht wahr?« Mador blickte nachdenklich auf seinen Schreibtisch. »Ich erhalte ja keine direkten Einsichten in die Berichte von der Front, aber ich habe meine Informanten. Und vor einiger Zeit ist mir zu Ohren gekommen, dass in der Nähe einer kleinen Stadt in Südengland die wir eingenommen haben, eine Art Gefängnis gefunden wurde. Die Gefangenen, darunter auch einige unserer Soldaten mussten dort unter harten Bedingungen arbeiten …«
»Dann gibt es Hoffnung?«
Cassus’ Herz schlug höher.
»Es ist auf jeden Fall nicht auszuschließen, dass es noch andere solcher Lager gibt.«
»Ist es möglich, dass ich mit Euch nach England gehe?«
Der Kapitän musterte Cassus.
»Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre. Du solltest hier für deine Familie sorgen. Du würdest in England sowieso nicht weit kommen. Ist viel zu gefährlich.«
»Aber …«
»Nichts aber, ich habe jetzt noch eine Besprechung und dann brauche ich meine Ruhe, der Wind steht gut und wir werden heute Nacht auslaufen. Bitte verlass jetzt mein Schiff.«
»Komm jetzt«, drängte Beltane, der bis jetzt nur zugehört und geschwiegen hatte. Cassus verabschiedete sich und verließ mit gemischten Gefühlen das Schiff.
Es gab Hoffnung, Melwas könnte in einem dieser Lager arbeiten und am Leben sein. Cassus ging nach Hause und dachte darüber nach, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass er nach England kommen, seinen Vater finden und ihn befreien könne.

Er fasste einen Entschluss.



Hier ist übrigens das Original: http://www.padse.de/stuff/Vater1998.pdf

Einen guten Start in die Woche wünscht
Dorian


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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 06.09.2009 23:54 
HerrKaffeetrinken hat geschrieben:
Ich habe noch keinen richtigen Stil gefunden


Da könntest du Recht haben.
Ich weiß nicht, ob das ernst gemeint ist, aber ein paar Dinge, die mir auffielen:


Zitat:
Auf den ersten Blick schien Névers ganz normal und bescheiden zu sein.


Ein Dorf scheint ganz normal und bescheiden zu sein? Wie geht das denn?


Zitat:
Neben den Piers gab es einen Marktplatz, wo sich jeden Tag die Fischhändler versammelten und ihre Ware anpriesen.


Nur die Fischhändler? Und was ist das mit den Bauern? Dürfen die nicht? Fischmarkt könnte ich verstehen, aber der wäre wohl direkt am Hafen.



Zitat:
Die Leute kamen aus den nahen Siedlungen und sogar einige angesehene Kaufmänner aus Brest ließen sich hier regelmäßig blicken.


Das klingt blöd, die Formulierung ist Mist.


Zitat:
Neben dem Geruch von frischem Fisch machte sich hier auch ein allgegenwärtiger Gestank von modrigen Abfällen und verfaulten Innereien breit.


Hmm, wirklich frischer Fisch riecht eigentlich gar nicht. Außer in Asterixheften.
Und die Innereien haben auf Fischmärkten eigentlich wenig Zeit zu verfaulen.


Zitat:
Und doch war hier einiges anders.


Anders als wo? Brest? Fischmärkten? Marktplätzen?


Zitat:
Die Hafenanlagen waren vor einigen Jahren ausgebaut worden und einige neue Lagerhallen wurden errichtet. Neben den Fischkuttern lagen hier nun immer öfter auch große Transportschiffe, die im Auftrag der Krone Soldaten und Lebensmittel nach England transportierten.



Hmmm. Es ist ein kleines Dorf. Und das hat ausgebaute Hafenanlagen, wo auch große Transportschiffe liegen können? Sehr unwahrscheinlich.


Zitat:
Schon kurz nachdem die Englischen Truppen in die Bretage einfielen und dort Tod und Schrecken verbreiteten, konnten sie überraschenderweise zurückgeschlagen werden.


Hmm, überraschend für wen? Und warum? Waren sie zahlenmäßig so überlegen?


Zitat:
Der französische König hatte eine große Menge an Soldaten mobilisieren können und war der englischen Flotte auf ihrem Rückzug gleich gefolgt.


Klingt auch blöd, er war ihnen gleich gefolgt. Klingt, als habe er sich ein Ruderboot geschnappt und wäre denen über den Ärmelkanal hinterhergerudert.
"Halt, englische Flotte, wartet, ich kann nicht so schnell!"



Zitat:
Nun fand ein erbitterter Kampf im südlichen England statt. Einige Hansestädte waren jetzt in französischer Hand und es sollten noch einige mehr werden. Die Engländer hatten mit so einem Rückschlag nicht gerechnet und so gaben sie alles, ihr Land zu verteidigen.
Bereits nach kurzer Zeit mussten die Franzosen auf das einfache Volk zurückgreifen und so wurden Bauern, Handwerker und Arbeiter mit einfachen Waffen ausgestattet und an die Front geschickt um für die Krone ihr Leben zu opfern.


Da schüttelts mich, sorry. :schuettel:
Irgendwie klingt das alles wie absichtlich schlecht geschrieben. Auf jeden Fall kann ich wirklich keinen Stil erkennen. Du solltest dringend an dir arbeiten. Dazu gehört vor allem, lesen, lesen, lesen.
Ich lass den anderen auch noch ein wenig.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 07.09.2009 06:59 
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Hallo Dorian,

den eigenen Stil zu finden ist eine der schwersten Übungen, und wenn man nicht gerade Thomas Mann heißt, hat man mit Anfang 20 noch keinen, das ist normal.
Neben viel Lesen hilft vor allem viel zu schreiben. Und der Versuch, dabei die gängigen Regeln und Tipps einzuhalten, als da z.B. sind: Wiederholungen vermeiden (man entdeckt sie am besten, wenn man sich die Geschichte laut vorliest), möglichst wenige schwache Verben verwenden, sie durch starke ersetzen, oder das berühmte "show, don't tell". Also nicht schreiben: "Cassus war verzweifelt", sondern die Verzweiflung durch die entsprechende Schilderung zeigen und sie vor allem auch vorbereiten. Schon, wenn Cassius erfährt, dass sein Vater wohl tot ist, muss sich der Leser denken: Oh, wie schlimm für ihn."

Das ist, denke ich, das Hauptproblem der Geschichte. In deiner Idee steckt Potential, aber du holst noch nicht genug raus.

Schon der Anfang: Er zieht den Leser nicht rein. Ein kleines Fischerdorf, ein nicht näher bezeichneter Krieg, eine teils berichtartige Schilderung. Für den verwöhnten Leser kein Grund, dran zu bleiben. Was ihn fesselt, sind Schicksale/Gefühle und/oder Action. Gerade bei kürzeren Geschichten ist es geschickter, gleich voll einzusteigen und nötige Erklärungen in die Handlung einzuflechten.

Wen juckt's, wie es auf dem Fischermarkt riecht? Der Markt spielt für die Geschichte keine Rolle. Atmosphäre schaffen ist zwar gut, aber nur dort, wo auch die Handlung ist. Sonst langweilt sie.
Die Handlung beginnt, als die Männer Melwas abholen. Das geht recht schnell vonstatten, hier verschenkst du eine Menge. Man kann nicht recht mit den Figuren mitfühlen. Sehr süßliche Familienidylle, ausgebüchste Ziegen und dann, zack, wird Melwas geholt.

Um mitfühlen zu können, steig bei der Familie ein. Schildere nicht den Fischmarkt, sondern die Angst der beiden Eheleute. Der Krieg wird immer schlimmer. Woanders haben sie schon Männer für den Kampf geholt. Ohne Melwas' Fischerei bleibt ihnen nicht genug zum Leben. Sophie und Melwas hoffen, dass sie verschont werden, weil sie ein kleines Kind haben. Oder war es ein Fehler, in diesen Zeiten ein Kind zu bekommen?
So reden sie und zählen ihre mageren Ersparnisse, und Sophie hat Angst um Melwas, und dann kommen doch die Männer. Geschrei, Protest, Flehen, und sie können es doch nicht verhindern.

Der Zeitsprung ist an sich eine gute Idee. Unrealistisch aber, warum Sophie Cassus bislang nie vom Schicksal des Vaters erzählte. Nie selbst versuchte, ihm nachzuspüren. Warum ist Cassus verzweifelt, vom wahrscheinlichen Tod seines Vaters zu erfahren, wo doch dieser Vater anscheinend vorher nie Gesprächsthema war?
Das passt alles nicht zusammen. Das lässt mich als Leser komplett kalt.

Deine Figuren brauchen Gefühle, Motive, Konflikte. Warum verschweigt Sophie das Schicksal des Vaters? Hat sie, um zu überleben, einen neuen Mann genommen, einen herrischen vielleicht, der nichts vom Verschollenen, den Sophie liebte, hören will? Der Frau und Kind schlägt? Und als Cassus älter wird, hält sie es nicht mehr aus und erzählt ihm heimlich vom echten Vater, und Cassus will ihn unbedingt finden?
Lass ihn mit Sophie streiten, weil das zu gefährlich für ihn ist. Lass den zweiten Mann Verdacht schöpfen, als Cassus verschwindet. Ist natürlich nur ein Beispiel, wie du Motive, Konflikte und Gefühle einbauen kannst. Nimm den Leser bei der Hand, frag dich immer, ob ihn das wirklich interessieren könnte, was du da schreibst, und bleib immer eng bei deinen Figuren. Beschreibe nur, was wichtig ist oder später wichtig wird.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 07.09.2009 08:33 
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Registriert: 06.09.2009 19:58
Beiträge: 4
Guten Morgen,
danke für die schnellen Antworten, man ist bei den eigenen Texten ja doch viel zu subjektiv :-)
Ich seh schon, da gibts noch viel zu tun. Muss ich einfach nochmal durchschauen mit Euren Anregungen im Hinterkopf.

Vielleicht könntet Ihr noch war zu dem letzten Abschnitt sagen (Unterhaltung mit Kapitän Mador)...

Grüße,
Dorian


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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 07.09.2009 16:50 
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Admina
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Registriert: 21.12.2005 20:51
Beiträge: 28442
HerrKaffeetrinken hat geschrieben:

Am nächsten Morgen hatte es aufgehört zu regnen, aber die bleigrauen Wolken hingen so tief über den Häusern, dass man meinen könnte, das Kreuz auf der Kapelle würde sie jederzeit aufreißen.
Cassus erreichte den Hafen und sah neben den Fischerbooten, die teils erbärmlich aussahen ich habe den Rest nur überflogen - warum sehen sie erbärmlich aus?
, auch ein großes Schiff mit der französischen Flagge. Klingt nach Kindersprache

Dies musste das Schiff von Kapitän Mador sein. Mador diente schon seit vielen Jahren der Flagge Echt? Er dient der Flagge? Wer ist das denn?
und transportierte Soldaten und Lebensmittel nach England. Transportierte?

Das Schiff war vor einem Tag eingelaufen in der Wäsche? und Cassus sah, wie die Seemänner Kisten aus der Lagerhalle holten und ins Schiff brachten. Er näherte sich dem Schiff. Plötzlich schlug ihm jemand herzlich auf die Schulter.

Okay, ich seh schon. Das ist tatsächlich der Stil von 12jährigen. Und mal ganz ehrlich, du hast dich doch sicher weiter entwickelt, nicht wahr? Was empfindest du, wenn du das heute liest? Ist das TO-HO-HOLL .. oder eher peinlich? Und Cassius sah, wie die Seemänner ... ja, so schreibt mein Sohn in etwa auch, der Kleinste von den vielen. Heute würdest du das doch anders schreiben, oder?
Du hast hier schon Tipps bekommen, hast Anregungen. Setz sie um, mach etwas draus und stell uns die Geschichte nochmal vor. Dann kann man etwas zu deinem jetztigen Stil sagen. Kann dir Hilfe anbieten.

Dialoge in geschriebenen Bücher sind übrigens nicht wie Gespräche unter Freunden.





Hier ist übrigens das Original: http://www.padse.de/stuff/Vater1998.pdf

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Dorian

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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 07.09.2009 17:34 
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Admina
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Oh - verdammt, ich seh gerade, das ist schon die überarbeitete Version? das kommt davon, wenn man Sachen nur überfliegt.

Tut mir leid, ich wollte dich auch nicht angreifen oder verletzen. Du musst dringend an dem Stil arbeiten. Wie gründlich habt ihr das recherchiert? Wann genau spielt das?

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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 07.09.2009 18:58 
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Ja, so ist unsere Ulli. :-D

Auch wenn es nicht besonders freundlich klingt, sind die Anmerkungen allerdings berechtigt.
Der Dialog wirkt sehr steif und da es sich hier ja nicht um eine Kurzgeschichte handelt, sondern eher um einen Romananfang, so wäre für mich beim Prolog bereits Schluss gewesen.

Vielleicht wäre es einfacher sich in kurzen Szenen der Geschichte zu nähern. So wie Johanna es schon anmerkte, huddelst du über die eigentlichen Spannungsmomente drüber.
Warum verschweigt die Mutter wohin der Vater verschwunden ist? Warum erzählt sie es vollkommen unvermittelt?
Lass mal nur Mutter und Sohn miteinander sprechen, diskutieren, streiten, heulen und vor allem:
Lass den Leser mitleiden.
So, wie du es geschrieben hast, ist Cassus ein austauschbares Element, wie die Kuh im Stall.
Er interessiert mich nicht. Warum will er seinen Vater finden? Was ist sein Antrieb?
Mir wird es nicht klar.

Versuch es doch zunächst mit einer Kurzgeschichte. Ich würde Cassus gerne lebendig "erlesen".

_________________
Das Problem ist: Um Geld zu verdienen- viel Geld! -, brauchen wir keine grandiose, makellose Literatur. Was wir brauchen, ist Mittelmaß. Ramsch, Schrott, Massenware.
(Walter Moers - Die Stadt der Träumenden Bücher)


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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 08.09.2009 07:43 
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Beiträge: 9000
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Das Schiffe einlaufen, ist allerdings eine gängige, altägliche Redensart.
Kann man also so schreiben. :-P

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Ich bin nicht versaut, ich bin nur moralisch flexibel.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Vater" [Neufassung, total in Bearbeitung]
BeitragVerfasst: 08.09.2009 15:12 
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Stepptanz- Injurator!

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Beiträge: 4039
Wohnort: Bremen
Ich habe hier im Forum schon einiges gesehen, aber hier steht außer Frage, dass der Autor nicht genau weiß, was er eigentlich erzählen möchte. Den Prolog würde ich ganz weglassen, es sei denn, er dient dazu, dem Autor Mut zu machen.

Die Absätze des 1. Kapitels reißen Geschehnisse an, die dann nicht zu Ende erzählt werden. Alles bleibt ein großes Fragezeichen, frei nach dem Motto: Im Galopp durch das Gemüsebeet, oder mit dem Sputnik durch die Kinderstube. Das war viel zu schnell über das Geschehen gehuscht, das kann man ausbauen, die Armut zeigen, die Du im Prolog so schlecht darstellst. Was blieb, war die Frage: Was will der Autor denn nun erzählen?

Zum zweiten Kapitel hats bei mir nicht mehr gereicht. Ich mochte nicht mehr.

Allerdings gebe ich Arno Recht, auch für mich stellt es sich als Beginn eines Romanes dar. Das Thema scheint für eine KG zu umfangreich.

Ich glaube, Dorian, Du solltest Dich nicht auf Deinen Kinderaufsatz stützen, sonden das Thema neu überdenken, die im Prolog erscheinenden Erklärungen im Text der Kapitel als Hintergrund zur Handlung zeigen, nicht erzählen. Du solltest die Geschichte komplett neu aufbauen.

Viel Glück.
:8^:


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